Warum Alltagsgewohnheiten im Kita-Alltag zählen
In Deutschland fielen im Jahr 2023 rund 215 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf an – deutlich mehr als der EU-Durchschnitt von knapp 178 Kilogramm. Seit 2005, dem Jahr der ersten verfügbaren EU-Vergleichszahlen, ist die Pro-Kopf-Menge an Verpackungsmüll hierzulande um 15 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung zeigt, warum kleine Gewohnheiten im Alltag von Familien und Kitas einen relevanten Unterschied machen können.
Ein Blick auf die Materialzusammensetzung des EU-weiten Verpackungsmülls 2023 verdeutlicht, wo Potenzial für bewusstere Entscheidungen liegt: Papier und Karton machten mit 40,4 Prozent den größten Anteil aus, gefolgt von Kunststoff (19,8 Prozent), Glas (18,8 Prozent), Holz (15,8 Prozent) und Metall (4,9 Prozent). Auch im Kita-Alltag selbst entsteht Abfall in nennenswertem Umfang: Bei der Mittagsverpflegung liegen die Ausgabereste im Durchschnitt bei rund 70 Prozent der Gesamtabfallmenge, die Tellerreste bei 30 Prozent. Solche Zahlen zeigen, dass sowohl die Wahl der Verpackung als auch der Umgang mit Portionsgrößen ansetzen können, um Müll im Alltag spürbar zu reduzieren.

Gewohnheit 1: Die Brotdose als täglicher Standard
In einer Berliner Kita startete das Team nach einer Fortbildung des Klima-Kita-Netzwerks gemeinsam mit Kindern und Eltern ein Projekt, um das Müllaufkommen in den Brotdosen zu verringern. Seit dem Projekt ist der Verpackungsmüll in den Brotdosen der Kita deutlich zurückgegangen – ein konkreter Beleg dafür, dass sich eine konsequent gelebte Alltagsgewohnheit direkt auf die Müllmenge auswirkt. Durch die Nutzung einer wiederverwendbaren Brotdose sparen Kinder täglich Tüten, Einwickelpapier oder aufwendige Verpackungen und halten so das Müllaufkommen gering.
Für den Kita-Alltag eignen sich dabei unterschiedliche Lösungen: Eine Bento Box mit mehreren Fächern erleichtert es, verschiedene Lebensmittel getrennt und ohne zusätzliche Einwegverpackung mitzugeben, während Thermobehälter warme oder kühle Speisen über mehrere Stunden auf Temperatur halten. Beide Varianten stehen je nach Material – etwa Edelstahl, Leinen oder bei der Bento Box auch BPA-freier Silikoneinsatz – für eine robuste und langlebige Alternative zu Einwegverpackungen und lassen sich so in bestehende Routinen rund um die tägliche Essensmitgabe integrieren.
Gewohnheit 2: Eigene Trinkflasche und feste Trinkrituale
Dass sich eigene Trinkflaschen und feste Rituale rund um das Trinken erfolgreich im Alltag von Kindern verankern lassen, zeigt das Wiener Projekt „Wassertrinken in Schulen": Dort erhalten Kinder eigene Wasserflaschen, und feste Trinkrituale gehören zum Schulalltag. Mittlerweile machen mehr als 75 Prozent der Wiener Volksschulen mit – ein Beleg dafür, dass sich eine solche Gewohnheit breit etablieren kann und sich ebenso auf den Kita- und Familienalltag übertragen lässt.
Bei der Wahl der eigenen Trinkflasche stehen Familien verschiedene Materialien zur Verfügung, die sich je nach Einsatzzweck gut ergänzen. Edelstahl überzeugt durch Robustheit und eignet sich für den täglichen Gebrauch ebenso wie für unterwegs. Tritan bringt ein geringes Gewicht und gute Bruchfestigkeit mit, was besonders für Kinderhände praktisch ist. Bei BPA-freiem Kunststoff ist zudem rechtlich klar geregelt: Seit 2011 ist die Verwendung von BPA bei Säuglingsflaschen EU-weit verboten, 2018 wurde dies auf auslaufsichere Trinkflaschen und -gefäße für Kinder von 0 bis 3 Jahren ausgeweitet, und seit dem 20. Januar 2025 gilt ein EU-weites Verbot von Bisphenol A in Lebensmittelkontaktmaterialien wie Trinkflaschen. Eine eigene, wiederbefüllbare Trinkflasche – ob aus Edelstahl, Tritan oder BPA-freiem Kunststoff – fügt sich damit als fester Bestandteil in Trinkrituale ein und schafft über feste Routinen, wie sie das Wiener Beispiel zeigt, eine verlässliche Alternative zu Einwegverpackungen im Alltag.

Gewohnheit 3: Taschen und Beutel mehrfach nutzen
Der Verbrauch von Plastiktüten in Deutschland ist von 2015 bis 2020 um rund 85 Prozent gesunken und lag 2023 bei etwa 9 Tüten pro Einwohner. Seit dem 1. Januar 2022 gilt zudem ein Verbot, leichte Einweg-Plastiktüten in Verkehr zu bringen. Diese Entwicklung zeigt, dass sich der Alltag auch im Kita-Umfeld gut ohne Einwegtüten organisieren lässt, wenn feste Gewohnheiten etabliert werden.
Das Umweltbundesamt empfiehlt, Taschen und Beutel – unabhängig vom Material – so häufig wie möglich wiederzuverwenden, da jede weitere Nutzung die Umweltbelastung verringert. Für den Kita-Alltag bedeutet das: Ein Jutebeutel oder eine Tote Bag, die täglich für Wechselkleidung, Spielsachen oder die Brotdose zum Einsatz kommt, erfüllt genau dieses Prinzip der Mehrfachnutzung. Wird ein einziger Beutel über Monate oder Jahre hinweg genutzt, ersetzt er eine Vielzahl einzelner Einwegverpackungen und wird so zu einem festen, verlässlichen Bestandteil der täglichen Routine.
Gewohnheit 4: Passende Portionsgrößen mitdenken
Das Projekt „MehrWertKonsum“ hat bei 18 begleiteten Kitas die Abfallmengen beim Mittagessen genauer untersucht. Im Durchschnitt landen rund 20 Prozent des ausgegebenen Essens im Abfall, wobei die Spannbreite zwischen den einzelnen Einrichtungen von 5 bis 56 Prozent reicht. Bezogen auf die Gesamtabfallmenge entfallen dabei rund 70 Prozent auf Ausgabereste und 30 Prozent auf Tellerreste – ein deutlicher Hinweis darauf, dass nicht in erster Linie das Essverhalten der Kinder, sondern die Planung der Mengen entscheidend ist.
Als häufigster Grund für diese Speisereste gilt, dass die kalkulierte Portionsgröße pro Kind über dem tatsächlichen Bedarf liegt. Wird von vornherein mehr aufgefüllt oder eingepackt, als tatsächlich gegessen wird, entsteht Abfall unabhängig davon, wie sorgfältig das Essen später gelagert oder serviert wird. Eine bedarfsgerechte Portionsplanung setzt daher genau an dieser Stelle an: Wer die Mengen am realistischen Hunger der Kinder ausrichtet, kann Ausgabereste von Beginn an reduzieren und so einen wesentlichen Teil der Essensabfälle in der Kita vermeiden.

Gewohnheit 5: Mehrweggeschirr und Thermobehälter in der Verpflegung
In der Schulverpflegung gilt der Grundsatz „vermeiden statt verursachen": Mehrweggeschirr trägt unmittelbar zur Abfallvermeidung bei. Dieses Prinzip lässt sich sinnvoll auf den Kita-Alltag übertragen, wenn warme Mahlzeiten von zu Hause mitgegeben werden. Thermobehälter aus Edelstahl oder Leinen ermöglichen es, Mittagessen oder Snacks mehrfach verwendbar und ohne zusätzliche Einwegverpackung zu transportieren.
Edelstahl-Thermobehälter halten Speisen über mehrere Stunden warm und lassen sich Tag für Tag wiederverwenden, ohne dass zusätzliche Folien oder Einwegbehälter nötig sind. Modelle mit Leinenhülle oder -bezug ergänzen diesen Nutzen um eine zusätzliche Isolierschicht und eine natürliche Optik. Wird dieser Mehrwegansatz konsequent in den Kita-Alltag integriert, reduziert er ausgabebedingte Abfälle ebenso wie die tägliche Verpackungsmüllmenge rund um die Mittagsverpflegung.
Je nachdem, wofür eine Brotdose, Flasche oder ein Beutel im Kita-Alltag gedacht ist, spielen Material-Eigenschaften eine unterschiedlich große Rolle. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Materialien nach Einsatzzweck, Pflegeaufwand und Langlebigkeit ein.
| Material | Einsatzzweck | Pflege | Langlebigkeit |
|---|---|---|---|
| Edelstahl | Trinkflaschen, Thermobehälter, Bento Box | Spülmaschinenfest, geruchsneutral | Sehr robust, bruchsicher |
| Silikon | Bento Box, Isolierflaschen, Sonstiges | Leicht zu reinigen, flexibel | Formstabil, dehnbar |
| Leinen/Baumwolle | Jutebeutel, Thermobehälter, Cotton Towels | Waschbar, atmungsaktiv | Strapazierfähig bei guter Pflege |
| BPA-freier Tritan-Kunststoff | Trinkflaschen | Spülmaschinenfest, bruchfest | Leicht und stabil |
Besonders bei Trinkflaschen ist die Materialfrage inzwischen auch rechtlich geregelt: Seit dem 20. Januar 2025 ist Bisphenol A (BPA) in Lebensmittelkontaktmaterialien wie Trinkflaschen EU-weit verboten, nach einer Übergangsfrist von 18 Monaten. Bereits seit 2011 gilt in der EU ein BPA-Verbot für Säuglingsflaschen, seit 2018 ausgeweitet auf auslaufsichere Trinkflaschen und -gefäße für Kinder von 0 bis 3 Jahren. BPA-freie Materialien wie Tritan-Kunststoff oder Edelstahl erfüllen diese Vorgaben zuverlässig und eignen sich damit gut für den täglichen Einsatz in der Kita. Wie lohnend robuste Mehrweglösungen sein können, zeigt ein Vergleichswert aus dem Getränkebereich: Eine Mehrweg-Mineralwasserflasche wird im Durchschnitt über 50-mal wiederbefüllt – ein Hinweis darauf, wie stark langlebige Materialien die Abfallmenge im Kita-Alltag über die Zeit senken können.
Gewohnheit 6: Bewusste Materialwahl im Alltag
Welches Material für Trinkflasche oder Bento Box zum Einsatz kommt, ist rechtlich klar geregelt: Seit 2011 ist die Verwendung von Bisphenol A (BPA) in der EU bei Säuglingsflaschen untersagt, 2018 wurde das Verbot auf auslaufsichere Trinkflaschen und -gefäße für Kinder von 0 bis 3 Jahren ausgeweitet. Seit dem 20. Januar 2025 gilt die Regelung EU-weit für Lebensmittelkontaktmaterialien wie Trinkflaschen insgesamt, flankiert von einer 18-monatigen Übergangsfrist für die Umsetzung. Für Familien bedeutet das: Wer im Kita-Alltag auf Edelstahl, Silikon oder ausdrücklich BPA-freien Kunststoff setzt, bewegt sich innerhalb eines Rahmens, den der Gesetzgeber kontinuierlich präzisiert und verschärft hat.
Diese Materialien lassen sich flexibel im Kita-Alltag einsetzen: Edelstahl und Silikon eignen sich für Trinkflaschen ebenso wie für Thermobehälter, während BPA-freier Kunststoff etwa bei Bento Boxen eine leichte und gleichzeitig regelkonforme Option darstellt. Die klare gesetzliche Linie – vom Verbot bei Säuglingsflaschen bis zur umfassenden Regelung für Lebensmittelkontaktmaterialien – schafft damit eine verlässliche Orientierung für die tägliche Auswahl.
Gewohnheit 7: Gemeinsame Projekte mit Kita und Familie
Nachhaltige Gewohnheiten lassen sich besonders wirksam verankern, wenn Kita und Familien gemeinsam aktiv werden. Ein Beispiel dafür liefert eine Berliner Kita: Nach einer Fortbildung des Klima-Kita-Netzwerks startete das Team gemeinsam mit Kindern und Eltern ein Projekt, um das Müllaufkommen in den Brotdosen zu verringern. Seit diesem Projekt ist der Verpackungsmüll in den Brotdosen der Kita deutlich zurückgegangen.
Dieses Praxisbeispiel zeigt, dass es oft nicht die einzelne Maßnahme ist, die den Unterschied macht, sondern das gemeinsame Vorgehen von Einrichtung und Familien. Wenn Kinder täglich eine wiederverwendbare Brotdose nutzen, sparen sie Tüten, Einwickelpapier oder aufwendige Verpackungen und halten so das Müllaufkommen gering. Werden solche Routinen von der Kita aufgegriffen und von den Eltern zu Hause mitgetragen, entsteht ein verlässlicher Rahmen, der nachhaltige Gewohnheiten im Alltag der Kinder dauerhaft festigt.

Die 7 Gewohnheiten im Überblick
Die vorangegangenen Abschnitte haben gezeigt, dass sich Verpackungs- und Speiseabfall im Kita-Alltag mit wiederholbaren, leicht in die Routine integrierbaren Gewohnheiten senken lassen. Die folgende Übersicht fasst die sieben besprochenen Ansatzpunkte mit ihrer jeweiligen Kernmaßnahme und einem belegten Effekt zusammen.
| Gewohnheit | Kernmaßnahme | Beleg/Effekt |
|---|---|---|
| 1. Brotdose als täglicher Standard | Wiederverwendbare Brotdose statt Einwegverpackung | Spart täglich Tüten, Einwickelpapier und aufwendige Verpackungen ein |
| 2. Eigene Trinkflasche und feste Trinkrituale | Persönliche Flasche statt Einwegbecher, feste Trinkzeiten | Vorbildprojekt „Wassertrinken in Schulen“: über 75 % der Wiener Volksschulen machen mit |
| 3. Taschen und Beutel mehrfach nutzen | Transporttaschen wiederholt verwenden statt neu zu beschaffen | Plastiktütenverbrauch in Deutschland seit 2015 um rund 85 % gesunken |
| 4. Passende Portionsgrößen mitdenken | Mengen am tatsächlichen Bedarf der Kinder ausrichten | Durchschnittliche Abfallquote beim Mittagessen in begleiteten Kitas: 20 % |
| 5. Mehrweggeschirr und Thermobehälter | Mehrweglösungen statt Einweggeschirr in der Verpflegung einsetzen | Trägt nach der Devise „vermeiden statt verursachen“ unmittelbar zur Abfallvermeidung bei |
| 6. Bewusste Materialwahl im Alltag | Materialien wie Edelstahl, Tritan oder Baumwolle gezielt einsetzen | Bisphenol A in Lebensmittelkontaktmaterialien seit 20. Januar 2025 EU-weit verboten |
| 7. Gemeinsame Projekte mit Kita und Familie | Kinder, Kita-Team und Eltern gemeinsam aktiv werden lassen | Berliner Kita-Projekt senkte den Verpackungsmüll in Brotdosen deutlich |
Rund 70 Prozent der Speiseabfälle in Kitas entstehen bereits bei der Ausgabe, nur 30 Prozent als Tellerreste. Das zeigt: Gewohnheiten rund um Portionsgrößen und Verpflegungsroutinen setzen genau dort an, wo in der Praxis der größte Teil des Abfalls entsteht.
